Rückblick: Sega – Der rasante Aufstieg, der große Fall und warum wir es nie vergessen werden
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GagGorilla -
27. Juli 2025 um 09:16 -
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45 Antworten
- Von Spielhallenlegende zum Kult-Publisher
- Die Anfänge: Sega in den 40ern
- Der Einstieg in den Konsolenmarkt
- Sega Master System (1985) – Technisch besser als das NES, aber mit weniger Erfolg.
- Master System II (1990) – Kompakter und günstiger, besonders beliebt in Europa.
- Game Gear (1990) – Farbhandheld mit Beleuchtung. Stärker als der Game Boy, aber energiehungrig.
- SEGA Saturn – Technikgigant mit schwieriger Umlaufbahn
- SEGA Dreamcast – Der letzte große Wurf
- Kurioses Zubehör: Segas wilde Hardware Ideen
- Von Hardware zu Software
Von Spielhallenlegende zum Kult-Publisher
Es gab eine Zeit, da war Sega *die* Alternative zu Nintendo. Frecher, schneller, anders. Für viele war der blaue Igel mehr als nur ein Maskottchen – er war ein Statement. Doch bevor Sonic zum Star wurde, beginnt die Geschichte viel früher …
Die Anfänge: Sega in den 40ern
Sega entstand ursprünglich als „Service Games“ – ein Unternehmen, das in den 1940er-Jahren Münzspielgeräte für amerikanische Militärstützpunkte in Japan und Hawaii importierte. Später zog man ganz nach Japan und produzierte bald selbst. Das berühmte „Periscope“ von 1966 war eines der ersten elektromechanischen Arcade-Hits.
Der Einstieg in den Konsolenmarkt
Bevor das Mega Drive einschlug, testete Sega mit dem SG-1000 (1983) den Markt. Richtig los ging es mit:
Sega Master System (1985) – Technisch besser als das NES, aber mit weniger Erfolg.
Das SEGA Master System wurde 1985 in Japan als „Sega Mark III“ veröffentlicht und kam 1987 schließlich in Europa in seiner überarbeiteten Form auf den Markt. Technisch war es der direkte Konkurrent zum NES von Nintendo – und ihm in vielen Punkten sogar überlegen:
- Prozessor: Zilog Z80A mit 3,58 MHz
- Grafik: Bis zu 32 Farben gleichzeitig, 256×192 Pixel Auflösung
- Sound: 4-Kanal PSG (Programmable Sound Generator)
- Speichermedien: Module (bis 4 MB) und Kreditkarten-große „Sega Cards“ (bis 256 KB)
- Besonderheit: Optionaler 3D-Brillen-Support & Light Phaser (Lightgun)
Master System II (1990) – Kompakter und günstiger, besonders beliebt in Europa.
Nach dem moderaten Erfolg des ursprünglichen Master Systems veröffentlichte SEGA 1990 das Master System II – eine vereinfachte, kostengünstigere Neuauflage der 8-Bit-Konsole. Ziel war es, neue Märkte zu erobern und günstiger gegen das dominierende NES anzutreten.
Was war neu?
- Kompakteres Design: Abgerundetes Gehäuse, platzsparender Aufbau
- Kein Karten-Slot mehr: Die Sega Cards waren Geschichte
- Kein AV-Ausgang: Stattdessen nur RF-Anschluss → schlechtere Bildqualität
- Integriertes Spiel: Bei vielen Modellen war „Alex Kidd in Miracle World“ oder später „Sonic the Hedgehog“direkt eingebaut
- Günstigerer Preis: Deutlich billiger als das Originalmodell
Technisch blieb das Innenleben fast identisch zum ersten Master System – aber es fehlten Erweiterungsmöglichkeiten wie die 3D-Brille oder Lightgun-Unterstützung, was einige Retro-Fans bis heute bedauern.
Trotz der Einschränkungen wurde das Master System II vor allem in Europa, Großbritannien und Brasilien zum Kassenschlager und war für viele Kinder der Einstieg in die Welt von SEGA – vor der großen Mega Drive-Ära.
Game Gear (1990) – Farbhandheld mit Beleuchtung. Stärker als der Game Boy, aber energiehungrig.
Als Antwort auf Nintendos Game Boy brachte SEGA 1990 den Game Gear auf den Markt – und setzte dabei auf ein mutiges Argument: Farbe! Während der Game Boy noch in Grüntönen arbeitete, bot der Game Gear einen leuchtenden 3,2-Zoll-Farb-LCD-Bildschirm mit Hintergrundbeleuchtung – ein echtes Highlight in der tragbaren Gaming-Welt der frühen 90er.
Die wichtigsten Merkmale:
- Farbbildschirm mit Hintergrundbeleuchtung – damit auch im Dunkeln gezockt werden konnte
- Basierte auf dem Master System – viele Spiele waren technisch ähnlich oder wurden portiert
- Zubehör-Wahnsinn – TV-Tuner, Akku-Packs, Lupenaufsätze und sogar eine Autoladestation
- 6 AA-Batterien für ca. 3–5 Stunden Spielzeit – eine der größten Schwächen
- Querformat – anders als Game Boy & Co., mit ergonomischem Gamepad-Design
Mega Drive & Sonic: Segas goldene Ära
Als das SEGA Mega Drive (in den USA als Genesis bekannt) 1988 in Japan und 1990 in Europa erschien, war klar: SEGA meinte es ernst. Der 16-Bit-Nachfolger des Master System brachte mehr Power, bessere Grafik – und eine Menge Stil.
Technische Highlights:
- Motorola 68000 Prozessor mit 7,6 MHz – der gleiche Chip wie im Amiga 500
- 64 KB RAM und 64 KB Video-RAM – deutlich mehr als das NES
- 320×224 Pixel Auflösung, 64 Farben gleichzeitig darstellbar
- Stereo-Sound via Yamaha-Chip – für viele legendäre Soundtracks verantwortlich
Warum das Mega Drive Kult ist:
- „Blast Processing“ – ein PR-Begriff, der Geschwindigkeit versprach (besonders für Sonic)
- Erwachsener Look – SEGA zielte bewusst auf Teenager und junge Erwachsene
- Riesige Spielebibliothek – mit Arcade-Umsetzungen und vielen Exklusivtiteln
- Kultige Add-ons – wie das Mega-CD und der 32X (beide leider gefloppt)
SEGA positionierte sich mit dem Mega Drive klar als coolere Alternative zum familienfreundlichen Super Nintendo – und in vielen Regionen hatte SEGA mit dieser Strategie sogar die Nase vorn. Noch heute gehört das Mega Drive zu den ikonischsten Konsolen der 90er.
SEGA Saturn – Technikgigant mit schwieriger Umlaufbahn
Der SEGA Saturn war SEGAs Versuch, die nächste Konsolengeneration zu dominieren – mit massiver Hardwarepower, aber chaotischem Marketing. Er erschien 1994 in Japan und 1995 in Europa und den USA – deutlich vor der PlayStation, aber auch mit vielen Stolpersteinen.
Technische Highlights:
- Zwei Hitachi SH-2 32-Bit-Prozessoren mit je 28,6 MHz – enorm leistungsstark, aber schwer zu programmieren
- 8 MB Gesamtspeicher (inkl. Video-/Sound-/Backup-RAM)
- Saturn Custom VDP2 + VDP1 Grafikchips – stark bei 2D, komplex bei 3D
- CD-ROM-Laufwerk mit 2-fach Geschwindigkeit
- Stereo-Sound mit 32 Kanälen & Effekten
Was den Saturn besonders machte:
- Arcade-Feeling pur: Viele Ports stammten direkt aus SEGAs Arcade-Plattform Model 2
- 2D-König: Während andere auf 3D setzten, glänzte der Saturn mit fantastischen 2D-Sprites
- Japan-Liebling: In Europa und den USA schwach – aber in Japan lange sehr beliebt
- Verkaufsschock: Die Konsole wurde in den USA plötzlich verfrüht veröffentlicht – Partner und Entwickler waren überrascht
Legendäre Saturn-Spiele:
- Nights into Dreams
- Virtua Fighter 2
- Panzer Dragoon Saga
- Shining Force III
- Sega Rally Championship
Warum der Saturn scheiterte:
- Komplexe Hardware, die Entwickler überforderte
- PlayStation-Übermacht: Sony zog mit einfacher Entwicklung und klarem Marketing davon
- SEGA-internes Chaos: Fehlende Strategie, unklare Kommunikation
Trotz des kommerziellen Misserfolgs gilt der Saturn heute als Liebhaberstück. Wer gute 2D-Action und japanische Rollenspiele mag, findet auf dieser Konsole echte Perlen.
SEGA Dreamcast – Der letzte große Wurf
Mit der Dreamcast veröffentlichte SEGA 1998 in Japan (1999 in Europa) seine letzte Heimkonsole – und sie war ihrer Zeit weit voraus. Die Konsole bot Online-Gaming, Grafiken in VGA-Qualität und ein innovatives Memory-System, doch trotz all ihrer Stärken wurde sie zu einem kommerziellen Misserfolg.
Technische Highlights:
- Hitachi SH-4 128-Bit CPU @ 200 MHz
- PowerVR2 GPU mit bis zu 3 Millionen Polygonen pro Sekunde
- 26 MB RAM (Haupt-, Video-, Sound-)
- 1 GB GD-ROM Laufwerk (eigene CD-Variante)
- 56k-Modem (integriert!) für Online-Spiel & Webbrowser
Innovationen:
- Online-Gaming out of the box – Phantasy Star Online war ein echtes MMO
- VMU (Visual Memory Unit): Speicherkarten mit eigenem Display und Minispielen
- VGA-Unterstützung – gestochen scharfes Bild am Monitor
- Vier Controllerports – ohne Adapter für Multiplayer
Legendäre Spiele:
- Shenmue
- Crazy Taxi
- SoulCalibur
- Jet Set Radio
- Skies of Arcadia
- Resident Evil: Code Veronica
Warum sie trotzdem unterging:
- PlayStation 2-Hype noch vor deren Release
- Kaum Third-Party-Support – viele Entwickler setzten direkt auf Sony
- SEGA-Image war geschwächt durch Saturn-Desaster
- Raubkopien leicht möglich, da das GD-ROM-Format schnell umgangen wurde
Vermächtnis:
Die Dreamcast ist heute eine Kult-Konsole. Ihre Spiele waren mutig, frisch, technisch top. Viele sehen sie als eine der innovativsten Konsolen überhaupt – und als tragisches Symbol für SEGAs Rückzug aus dem Konsolenmarkt.
Einige Games Highlights (von vielen)
Kurioses Zubehör: Segas wilde Hardware Ideen
Sega war nicht nur für schnelle Igel bekannt, sondern auch für außergewöhnliches Zubehör, das seiner Zeit oft voraus – oder völlig verrückt – war:
- Samba de Amigo-Maracas (Dreamcast)
Mit echten Rasseln in der Hand konntest du im Takt der Musik shaken – ein Vorreiter für Rhythmusspiele wie "Just-Dance" Dance. Heute Kult!
- Fishing Controller (Dreamcast)
Ein Angelspiel? Mit richtiger Rute und Schnurrolle! Sega Bass Fishing war ein Überraschungshit – dank echter Immersion.
Lightgun – Sega Menacer & Saturn Virtua Gun
Für Spiele wie Virtua Cop oder Lethal Enforcers, House of Death bot Sega eigene Lightguns – in der Spielhalle wie zuhause ein Erlebnis.Die Menacer fürs Mega Drive war modular und fast schon futuristisch – inklusive Schulterstütze!
- Sega 3D-Brille (Master System)
Frühe Shutter-Technik für echtes 3D – in den 80ern! Nur mit bestimmten Spielen kompatibel, aber erstaunlich effektiv.
- Sega Activator (Mega Drive)
Bewegungserkennung per Boden-Ring – völlig ungenau, aber seiner Zeit voraus. Ein frühes Kinect ohne Kamera.
- Mega-CD Karaoke System (Japan only)
Mit Mikrofon und Musik-CDs zum eigenen J-Pop-Konzert. Total verrückt – total Sega.
- Angelzubehör & Kinderkonsolen (Pico)
Ob Lernspielkonsole oder Angelspiel – Sega experimentierte wild. Und das mit teils überraschendem Erfolg.
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Von Hardware zu Software
Seitdem ist Sega ein erfolgreicher Publisher (Yakuza, Total War, Persona…). Die Marke lebt – nur eben nicht mehr als Konsolenhersteller, leider!
Was war eure liebste Sega-Konsole oder euer liebstes Spiel? Teile deine Erinnerungen und zeig, dass Sega nie wirklich weg war.
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